Eine Verbrennungskraftmaschine ist im Prinzip jede Art von Maschine,
die mechanische Energie direkt aus der in einem Brennstoff
enthaltenen chemischen Energie durch Verbrennen dieses Stoffes mit
der Luft in einer Verbrennungskammer gewinnt. Die Kammer ist ein
fester Bestandteil der Kraftmaschine. Man unterscheidet derzeit vier
Haupttypen von Kraftmaschinen mit innerer Verbrennung: Ottomotoren,
Dieselmotoren, Kreiskolbenmotor oder Wankelmotor und die Gasturbine.
Der Ottomotor, benannt nach Nikolaus August Otto, ist der allen
bekannte Benzinmotor, der Kraftfahrzeuge und Flugzeuge antreibt. Der
Dieselmotor, benannt nach Rudolf Christian Diesel, funktioniert nach
einem anderen Prinzip und wird mit Dieselkraftstoff betrieben.
Außer in Lastwagen und Bussen und Pkws findet der Dieselmotor
auch in Kraftwerken zur Produktion elektrischer Energie und als
Schiffsantrieb Verwendung. Sowohl Otto- als auch Dieselmotoren gibt
es als Zwei- und als Viertaktmotoren.
Die wichtigsten Teile haben Otto- und Dieselmotor gemeinsam. Der
Brennraum besteht aus einem Zylinder, der an einem Ende geschlossen
ist und dem sich der eng sitzende Kolben bewegt. Ein Ende des Kolbens
ist über eine Pleuelstange mit der Kurbelwelle verbunden. Die
Kurbelwelle wandelt die Hin- und Herbewegungen des Kolbens in eine
Drehbewegung um. Bei Kraftmaschinen mit mehreren Zylindern befinden
sich auf der Kurbelwelle für jeden Zylinder Kurbelzapfen. Durch
diese Konstruktion übt jeder Kolben im richtigen Moment der
Drehung Kraft auf die Kurbelwelle aus. Die Kurbelwelle ist mit einem
Schwungrad und Gegengewichten versehen. Das Trägheitsmoment des
Rades und der Gewichte soll Unregelmäßigkeiten in der
Bewegung der Welle so gering wie möglich halten. Eine
Kraftmaschine kann einen oder mehrere Zylinder enthalten (z. B. in
Schiffsmotoren bis zu 28 Stück).
Zum Kraftstoffzufuhrsystem eines Verbrennungsmotors gehören der
Tank, die Kraftstoffpumpe und eine Anlage zur Vergasung oder
Zerstäubung des flüssigen Kraftstoffes. Letzteres ist beim
Ottomotor der Vergaser. Der gasförmige und mit Luft vermischte
Kraftstoff wird bei den meisten mehrzylindrigen Kraftmaschinen
über ein verzweigtes Rohr, dem Ansaugkrümmer, zu den Kolben
geleitet. Bei vielen Kraftmaschinen werden die bei der Verbrennung
entstandenen Gase über ein ähnliches Rohr, den
Abgaskrümmer, abgeleitet. Über mechanisch betriebene
Tellerventile oder Schlitze gelangt das Luft- Kraftstoff- Gemisch in
den Zylinder (Einlaßventil). Die Abgase gelangen auf
ähnlichem Wege wieder hinaus- in diesem Fall über die
Auslaßventile. Die Ventile werden durch Druckfedern geschlossen
gehalten und zum richtigen Zeitpunkt des Arbeitszyklus über
Nocken auf der sich drehenden Nockenwelle geöffnet. Die
Nockenwelle ist über Zahnräder mit der Kurbelwelle
verbunden. In den achtziger Jahren wurden elektronische
Einspritzsysteme für den Kraftstoff, die auch bei Dieselmotoren
eingesetzt werden, entwickelt. Diese Systeme verdrängten
allmählich die herkömmlichen Verfahren zur Herstellung des
richtigen Luft- Kraftstoff- Gemisches. Computergesteuerte
Überwachungssysteme führten zu besserer
Kraftstoffausnutzung und geringerem Schadstoffausstoss.
Das Zündsystem des unten beschriebenen Ottomotors besteht aus
einer Gleichstromquelle mit geringer Spannung, die an den
Primärkreis der Zündspule angeschlossen ist
(Transformator). Der Strom wird durch eine Schaltautomatik, dem
Unterbrecher, mehrmals pro Sekunde unterbrochen. Der so zerhackte
Strom des Primärkreises induziert im Sekundärkreis eine
pulsierende Hochspannung (bis zu 30000 Volt). Dieser
Hochspannungsstrom wird über den Zündverteiler abwechselnd
zu den einzelnen Zylindern geführt. Die eigentliche Zündung
erfolgt mit Hilfe der Zündkerze, einem isolierten Leiter, der
oben oder in der Wand des Zylinders eingebaut ist. Am Ende der
Zündkerze, die in den Zylinder hineinragt, befindet sich
zwischen zwei Drähten (Mittel- und Masseelektrode) eine kleine
Lücke. Der Hochspannungsstrom überspringt diese Lücke.
Dabei entsteht ein Funke, der das Kraftstoffgemisch im Zylinder
entzündet.
Schema der Bosch-Einspritzanlage für einen
Sechszylinder-Otto-Viertaktmotor mit Saugrohr-Einspritzung und
Zweielement-Einspritzpumpe mit Mengenteilern.
Auf Grund der bei der Vebrennung entstehenden Wärme
benötigen alle Kraftmaschinen ein Kühlsystem. Einige
Flugzeug- und Kraftfahrzeugmotoren, kleine stationäre
Kraftmaschinen und die Aussenbordmotoren von Booten sind
luftgekühlt. Bei diesem System sind die Außenseiten des
Motors von Rippen umgeben, die eine große
Kühleroberfläche bieten. Andere Kraftmaschinen sind
wassergekühlt. Die Motoraussenwände sind doppelwandig,
wobei in dem Äußeren System
(Kühlwasserräume) das Kühlwasser fliesst. Bei
Kraftfahrzeugen wird das Kühlwasser mit einer Wasserpumpe
umgewälzt. Die Kühlung erreicht man, indem das Wasser durch
die mit Rippen versehenen Kühlschlangen des Kühlers
geleitet wird. Der Kühler ist letztlich luftgekühlt. Bei
Schiffsmaschinen wird Meerwasser zur Kühlung eingesetzt.
Im Gegensatz zu Dampfmaschinen und Turbinen entsteht beim Anlaufen
einer Verbrennungskraftmaschine kein Drehmoment. Daher muss
zunächst die Kurbelwelle in Bewegung gesetzt werden.
Kraftfahrzeugmotoren haben dazu normalerweise einen elektrischen
Anlasser, der über Zahnräder mit der Kurbelwelle in
Verbindung steht. Sobald die Verbrennungsmaschine läuft, wird
diese Verbindung durch eine Kupplung gelöst. Kleinere
Kraftmaschinen lassen sich mit der Hand durch Drehen der Kurbelwelle
mit einer Kurbel oder durch Ziehen eines Seiles, das mehrfach um das
Schwungrad gewickelt wird, anwerfen. Zu den Verfahren zum Anlassen
grosser Kraftmaschinen gehört der Schwungkraftmesser. Er besteht
aus einem Schwungrad, das per Hand oder mit einem elektrischen Motor
gedreht wird. Beim Explosionsstarter wird eine leere Patrone zur
Explosion gebracht, um ein Turbinenrad zu drehen, das mit der
Kraftmaschine verbunden ist. Schwungkraftmesser und Explosionsstarter
werden in erster Linie bei Flugmotoren eingesetzt.
Ottomotoren
Normalerweise ist der Ottomotor ein Viertaktmotor, das
heisst der Kolben führt während eines Arbeitsspieles vier
Takte aus, zwei in Richtung des (geschlossenen) Zylinderkopfes und
zwei weg vom Kopf. Während des ersten Taktes bewegt sich der
Kolben vom Zylinderkopf weg, gleichzeitig wird das Einlassventil
geöffnet. Durch die Kolbenbewegung während dieses Taktes
wird eine bestimmte Menge des Kraftstoff-Luft-Gemisches in den
Brennraum eingesogen. Während des nächsten Taktes bewegt
sich der Kolben in Richtung des Zylinderkopfes und verdichtet das
Kraftstoff-Luft-Gemisch im Brennraum. In dem Augenblick, in dem der
Kolben das Ende dieses Taktes erreicht hat, ist das freie Volumen in
der Brennkammer am geringsten, der Kraftstoff wird mit der
Zündkerze entzündet und verbrennt. Dabei wirkt das sich
ausdehnende Brenngas auf den Kolben, der dadurch beim dritten Takt
vom Zylinderkopf weggedrückt wird. Beim vierten und letzten Takt
wird das Auslassventil geöffnet. Der Kolben bewegt sich in
Richtung des Zylinderkopfes und drückt dabei die Abgase aus der
Verbrennungskammer, so dass der Zylinder für das nächste
Arbeitsspiel bereit ist.
Der Wirkungsgrad eines modernen Ottomotors wird durch eine Reihe von
Faktoren begrenzt, darunter unter anderem Kühlungs- und
Reibungsverluste. Im allgemeinen bestimmt das
Verdichtungsverhältnis den Wirkungsgrad einer solchen
Kraftmaschine. Das Verdichtungsverhältnis (das Verhältnis
von maximalem und minimalen Volumen der Verbrennungskammer) liegt
beim grössten Teil der modernen Ottomotoren meist bei
8 :1 oder 10 : 1. Höhere Verdichtungsverhältnisse von etwa
12 : 1 mit entsprechender Erhöhung des Wirkungsgrades sind mit
klopffesten Kraftstoffen hoher Oktanzahl möglich. Der
Wirkungsgrad eines guten, modernen Ottomotors liegt zwischen 20 und
25 Prozent- anders ausgedrückt, wird nur dieser Prozentsatz der
Wärmeenergie des Kraftstoffes in mechanische Energie
umgewandelt.
1. Bild: Bestandteile eines Motors
2. Bild: Die Kurbelwelle, etwas vereinfacht dargestellt
3. Bild: Luft- Benzingemisch
4. Bild: Takte eines Motors: 1. Ansaugtakt 2. Verdichtungsakt 3.
Arbeitstakt 4. Auspuffakt
Dieselmotoren
Theoretisch unterscheidet sich der Dieselmotor vom
Ottomotor dadurch, dass die Verbrennung bei konstantem Raum
(Gleichraumverfahren) stattfindet und nicht bei konstantem Druck
(Gleichdruckverfahren). Auch die meisten Dieselmotoren sind
Viertaktmotoren, arbeiten allerdings anders als Ottomotoren. Beim
ersten oder Ansaugtakt wird nur Luft und kein Kraftstoff durch ein
Einlassventil in den Brennraum gesogen. Beim zweiten Takt, dem
Verdichten, wird die Luft auf einen geringen Teil ihres vorherigen
Volumens zusammengepresst und durch das Zusammenpressen (Kompression)
auf etwa 440 Grad erhitzt. Am Ende des Verdichtungstaktes wird
zerstäubter Kraftstoff in den Brennraum eingespritzt und
verbrennt aufgrund der hohen Temperatur im Brennraum sofort. Einige
Dieselmotoren verfügen über eine zusätzliche
elektrische Zündanlage, die den Kraftstoff beim Anlassen
zündet. Sie ist nur so lange in Betrieb, bis der Motor warm ist.
Die Verbrennung treibt den Kolben im dritten Takt oder Arbeitsakt
zurück. Beim vierten Takt werden wie beim Ottomotor die Abgase
ausgeschoben.
Der Wirkungsgrad eines Dieselmotors, der von den gleichen Faktoren
bestimmt wird wie beim Ottonmotor, ist höher als der eines
Ottomotors und liegt heute bei etwas über 40 Prozent. Im
allgemeinen sind Dieselmotoren Kraftmaschinen mit niedriger Drehzahl.
Die Kurbelwellendrehzahl liegt zwischen 100 und 750 Umdrehungen pro
Minute. Es gibt aber auch Dieselmotoren mit höheren Drehzahlen
(2000 Umdrehungen pro Minute). Da das Verdichtungsverhältnis
beim Dieselmotor bei 14 : 1 oder höher liegt, sind sie meist
stabiler gebaut und damit schwerer als Ottomotoren.
Bildlegende zum Dieselmotor:
1. Elektronische Pumpdüsen
3. Ladeluftkühler
4. Ventildreher
5. Ölkühler
6. Selbstausrichtende Rollenstössel
7. Kurbelwellenlager mit Stahlschützschale und Kupferbindung
Zweitaktmotoren
Otto- oder Dieselmotoren können auch nach dem
Zweitaktprinzip betrieben werden. Dabei ist jeder zweite Takt ein
Arbeitstakt und nicht jeder vierte. Der Wirkungsgrad von
Zweitaktmotoren liegt unter dem von Viertaktmotoren. Die Leistung
eines solchen Motors liegt nach einer Faustregel immer etwas unter
der Hälfte der Leistung eines Viertaktmotors vergleichbarer
Grösse.
Das allgemeine Prinzip des Zweitaktmotors besteht darin, dass die
Zeiten für das Ansaugen des Kraftstoffes in den Brennraum und
das Ausstossen der Abgase auf einen kleinen Teil der Dauer eines
Taktes beschränkt werden, anstatt dass jeder dieser
Vorgänge einen ganzen Takt in Anspruch nimmt. Bei der
einfachsten Form des Zweitaktmotors werden die Tellerventile durch
Rohrschieber oder Schlitze ersetzt. Sie sind offen, wenn der Kolben
das Ende des Taktes erreicht.
Anschliessend bewegt sich der Kolben mit dem Arbeitstakt wieder aus
dem Zylinder heraus und öffnet dabei den Auslassschlitz, durch
den die Abgase aus dem Brennraum abfliessen können.
Vor -und Nachteile des Zweitaktmotors
Vorteile gegenüber dem Viertakter:
- Der Zweitakter hat einen einfacheren Aufbau und ist deshalb
billiger.
- Der Zweitakter hat weniger bewegliche Teile und verursacht damit
geringere
Reparaturkosten.
- Der Zweitakter hat ein gleichförmigeres Drehmoment und dadurch
ein bessers
Durchzugsvermögen.
Nachteile gegenüber dem Viertakter:
- Der Zweitakter hat einen höheren Kraftstoff-und
Schmierölverbrauch.
- Der Zweitakter hat eine schlechtere Füllung.
- Der Zweitakter wird höher beansprucht.
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